Hier einige neue Nachrichten:
Sr. Christeta schrieb:
„Ich wollte Euch vor allem die große Freude mitteilen, dass wir jetzt das Allerheiligste im Haus haben - Tabernakel vom Marienheim, auch der Altar ist von dort. Fr. Stephen hat eine sehr schöne hl. Messe in unserer kleinen Kapelle gehalten, die vier Kinder waren da und eine Aspirantin, die uns besucht hat und ihre Papiere gebracht hat. Irene heißt sie, aus Jos. Sie ist Yoruba vom Stamm her (wie die Novizin Sr. Veronica), sie hat im Februar letzten Jahres Sr. Salesiana und Sr. Petricia getroffen. Dieses Jahr bekam sie die Einladung zum Interessierten-Treffen nicht, die Post schafft es halt oft nicht. Aber Irene hat sich doch gemeldet, und ich denke, nächstes Jahr können wir sie aufnehmen. Sie ist eine ausgebildete Krankenschwester und Hebamme.
Diese Woche waren vier Aspirantinnen hier, noch drei andere, außer Irene, die Ihr noch nicht kennt. Cynthia wollen wir noch besuchen, um sie und die Familie näher kennen zu lernen.“
„Die Kandidatin Esther ist mir eine große Hilfe. Sie hat heute den Unterricht bei den Buben gemacht, da konnte ich gegen den Schimmel in der Kapelle kämpfen. Ich habe alles mit Essigwasser abgewaschen. Der Kreuzweg hängt jetzt auch.“
Sr. Nancy Robin ADJC aus USA ist für einige Wochen in Nigeria. Sie hilft beim Aufbau und will bekannte Familien besuchen. Sie hat schon einige Versuche in der Igbo-Sprache gemacht, die sie durch Igbo-Leute in Amerika lernte. Sie wohnt in dem Gästezimmer neben der Kapelle.
„Sr. Nancy ist eine große Hilfe,“ sagt Sr. Christeta, „weil sie so viel Erfahrung mit gestörten Kindern hat. Unser Kelechi, (einer der vier Jungs, die z. Z. im Haus sind) hat immer die Vorderseite seines T-Shirts aufgegessen. Er ist so nervös, das er immer etwas kauen muss, alles was er erreichen konnte vom T-Shirt hat er aufgegessen. Das sah aus, wie von Ratten angefressen. Wir haben immer versucht es ihm abzugewöhnen, aber natürlich ohne Erfolg. Sr. Nancy sagt, das nützt gar nichts. Wenn ein Kind so gestört ist, dann darf man ihm nicht etwas wegnehmen, ohne ihm etwas anderes zu geben. Sie hat sein Lieblings-T-Shirt zerschnitten und Du hättest das Gesicht sehen sollen, wie sie darein geschnitten hat. Sie hat dann daraus ein Bündel gemacht und hat es ihm mit der Schnur um den Hals gehängt. Jetzt kaut er da drauf - sogar heute Morgen im Gottesdienst - und das ist in Ordnung. Er kaut nun immer wieder an seinem Bündel, aber nicht mehr an seinem Hemd. Ich wäre gar nicht auf so eine Idee gekommen, aber sie macht das so gut. Sie hat mit den Großen angefangen zu malen, einfache Bilder. Aber diese sagen so viel aus über deren Situation. Sie ist eine wirkliche Hilfe.“
Im Haus der Schwestern waren bis Mitte Juli fünf Kinder, das fünfte kam so:

„Sr. Nkechi ist bei der Straßenkinderbefragung auf einen ca. zehnjährigen Jungen gestoßen, der seine Mutter kennt und die Mutter kennt auch ihn. Die Mutter lebt aber mit einem Mann zusammen, der den Jungen nicht haben will, deshalb wurde er auf die Straße zum Betteln geschickt. Er übernachtet unter den Brücken oder in leeren Marktständen, hinter einer Treppe oder sonst irgendwo, gerade dort, wo er z. Z. ist. Sr. Nkechi hat ihn gefragt, ob er so weiter leben möchte, er sagte: Nein. Sr. Nkechi sagte ihm, dass er mit ihr gehen kann, um sich unsere Wohnung anzusehen und dann entscheiden kann, ob er dort bleiben will. Wenn nicht, könne er wenigsten baden, etwas zu essen bekommen und Kleidung und könne dann wieder gehen. Der Junge ist mitgegangen - und ist da geblieben. Er geht jetzt mit in den Unterricht.’
Die Schwestern suchen jetzt dringend nach Unterkünften für die Kinder, damit Platz ist, wenn die Kandidatinnen kommen.
Nachrichten Mitte Juli:
‚Nach vielen, vielen Versuchen haben wir heute Mittag - Sr. Nkechi, Sr. Nancy und ich waren den ganzen Tag unterwegs – haben wir ein Haus gefunden, das sofort beziehbar ist. Die Leute lassen sogar einen Teil der Möbel in dem Haus. Ein großer Garten ist dabei und ein Spielplatz. Es sind vier Schlafzimmer, ein kleines Speisezimmer und ein großes Wohnzimmer und eine Garage. Die Küche ist draußen. Fließendes Wasser gibt es nicht, aber einen Bohrbrunnen mit einem großen Tank. Man kann also mit zehn Schritten von dem eigenen Brunnen das Wasser ins Haus holen; das ist mit den Kindern kein Problem. Elektrizität ist angeschlossen, also immer wenn Stadtstrom da ist, ist auch Strom im Haus. Das Haus ist etwa eine ¾ Stunde von unserem jetzigen Haus entfernt. Die Grundschule ist genau gegenüber. Für den Besuch der Sekundarschule müssen wir noch einen Weg finden, sie ist ungefähr 4 km entfernt.
Aber dieses Haus ist eine Möglichkeit für ein Jahr. Wir können die Miete für ein Jahr im Voraus bezahlen. Ein kleines Häuschen hinter dem Haus ist noch Baustelle, es sind ‚Räume für Boys’, sagte der Besitzer. Das wird er für uns noch fertig machen. Das sind dann noch einmal zwei Räume. Ich denke, das wäre gut, denn wir brauchen in dieser Gegend - sie ist ein bisschen abgelegen - sicher einen Wachmann. Sr. Nkechi hat schon mit einer Frau gesprochen, die als Hausmutter kommen könnte. Die brauchte ja auch einen Raum. Wenn der Vermieter uns das Häuschen noch fertigmacht, wäre das sehr gut.’
Ein paar Tage später schrieb Sr. Christeta:
‚Heute war ein irgendwie trauriger Tag. Der kleine Junge, den wir letzte Woche aufgenommen hatten, ist wieder weg. Er ist zurück auf die Strasse, und wir haben auch erfahren und gesehen, dass er Kokain und Marihuana nimmt. Seine Mutter war da mit drei Kindern von einem anderen Mann, und es klingt, als sei das ein Zuhälter, der sie und die Kinder sexuell ausbeutet und kassiert, was sie erbetteln. Aber Chidubem, so heißt der etwa Zehnjährige, wollte zurück dahin, und dann ist es auch besser. Wir können niemand helfen, der die Hilfe nicht wirklich will.
Ich bin sehr froh, dass wir jetzt das Haus haben, mit Platz und mit Nähe zur Schule.
Alles läuft soweit gut. Sr. Nancy hat schon mit den Kindern gemalt. Eine Kandidatin, die Lehrerin ist, gibt den Kindern Unterricht und zwar den ganzen Morgen. Ich selbst konnte – aus Zeitgründen – nur eine Stunde täglich unterrichten.’

Nun noch etwas zu dem Straßenkinderprojekt:
Sr. Nkechi arbeitet als Sozialarbeiterin im ‚Straßenkinderprojekt’, das von den Regierungsstellen befürwortet worden ist. Es ist wirklich ein Glück, dass wir eine Sozialarbeiterin dort haben. Sie weiß, wie man die Dinge angeht. Einige Kinder, die auf der Straße sind, haben Familie. Sie müssen aber täglich auf die Straße, weil die Familien kein Geld haben, die Kinder zu ernähren. Sr. Nkechi, die das alles ausfindig macht, hat in diesem Zusammenhang ein Projekt entwickelt: ‚Wir geben den Familien der ‚Straßenkinder’ ein Darlehen von 10 000 Naira (80 -100 €), dass sie in Raten von 200 Naira bis auf 2/3 des Gesamtbetrages zurückzahlen. Damit haben wir eine Starthilfe gegeben und appellieren an die Würde der Menschen – Hilfe zur Selbsthilfe. Das scheint gut anzulaufen. Z.Z. haben wir dies bei 5 Familien begonnen.’
Im Brief vom 20. Juli 2006, der am 29.7. hier ankam, steht: ‚Die erste Frau hat ihren Mini-Kredit zur Verbesserung des Marktstandes schon zurückgezahlt, 5000,- Naira.
Diesen habe ich neu vergeben.’ (Brief von Sr. Christeta)
Was in Nigeria auch noch gesucht wird, ist ein Haus für die Waisenkinder, die unsere Schwestern in Abuja, der Hauptstadt, getroffen haben. Sie mussten dort hin wegen der Aufenthaltsgenehmigung.
Sr. Christeta berichtete: ‚Die Waisenkinder leben jetzt nicht sehr weit von hier – aber man muss über einen Fluss, das ist eigentlich ein Arm des Atlantiks, der ins Land hineinreicht. Diese Waisen sind die Kinder, die wir in Abuja getroffen haben, die dort waren wegen eines Stipendiums, damit sie in die Schule gehen können. Sie müssen so schwer arbeiten, um Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen und werden von den Leuten, bei denen sie wohnen (oft Verwandte), oft missbraucht. Besonders ein 13 jähriges Mädchen leidet sehr; sie wird ständig missbraucht, das hat sie Sr. Nkechi mitgeteilt. Das Haus, das wir suchen soll Reha-Haus für Kinder heißen. Es soll den Kindern ermöglicht werden, in die Schule gehen zu können.’

Nun zum Schluss noch etwas zu denen, die zu dem Interessierten-Treffen ‚Komm und sieh’ gekommen sind. Es sind alles engagierte junge Frauen. Eine, Perpetua heißt sie, hatte schon die Aufnahme für den Eintritt in Deutschland, bekam aber kein Visum. Sie wird nun dort die Kandidatur beginnen. Es werden keine Kandidatinnen mehr nach Deutschland kommen, da es ja jetzt möglich ist, dass sie in ihrem Kulturkreis bleiben können, weil wir einen Konvent dort haben, eine kircherechtliche Niederlassung. Z.Z. haben wir in Nigeria acht Kandidatinnen.
Sobald wie möglich soll mit dem Bau eines Hauses begonnen werden, auf dem Gelände, das uns der Bischof zur Verfügung gestellt hat. Dort könnten dann die Postulantinnen sein. Das Haus, in dem unser Konvent jetzt lebt, ist nur für zwei Jahre gemietet. Wir hoffen, dass wir mit dem Ende dieses Mitvertrages in unserem Haus sein können.
Herzliche Grüße an Sie alle von Sr. Christeta und Sr. Nkechi aus Owerri - sie bedanken sich für alle Gebete, alle Hilfen, alles Gedenken, alle Post; alle Briefe einzeln zu beantworten, übersteigt ihre Kapazität. Mit diesen Grüßen und auch denen von Sr. Nancy beenden wir unseren Bericht für heute, wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.
Sr. M. Salesiana ADJC

